Verbraucher, Ernährung und nachhaltiger Konsum
Die biologische Vielfalt leistet einen wesentlichen Beitrag zu einer vielfältigen, abwechslungsreichen und ausgewogenen Ernährung. Durch eine gezielte Nachfrage nach Nahrungsmitteln kann der Verbraucher die biologische Vielfalt in der Landwirtschaft fördern.

- Gemüsestand
© BLE
Das heutige Angebot an Lebensmitteln bietet uns eine das ganze Jahr über annähernd gleichbleibend große Vielfalt. Diese Vielfalt beruht jedoch weitestgehend auf Importen und auf einer technisch immer raffinierteren Weiterverarbeitung zunehmend einheitlicher Rohprodukte.
Diese Vielfalt im Angebot täuscht dadurch nur allzu leicht darüber hinweg, dass es mit der Vielfalt in der Landwirtschaft nicht zum Besten bestellt ist. Nahezu unbemerkt sind viele Tierrassen, viele Pflanzenarten und -sorten aus der landwirtschaftlichen Nutzung verschwunden. Mit Ausnahme von Wein, Äpfeln und vielleicht noch Kartoffeln gibt es in der breiten Bevölkerung annähernd kein Sortenbewusstsein mehr. Wer weiß heute noch, dass es allein in Deutschland mehrere Tausend Apfelsorten gibt oder mehrere Hundert Tomatensorten, da nur einige wenige Sorten angeboten werden? Den meisten Verbrauchern entgeht dadurch, welche spezifischen Produktqualitäten, seien es Nährwert- oder Geschmackseigenschaften oder auch gesundheitsförderliche Produkte, uns die biologische Vielfalt eigentlich bietet.
Nachfrage bestimmt das Angebot
Vielen Verbrauchern wird heute bewusst, dass ihr Kaufverhalten Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft hat, und sie treffen ihre Kaufentscheidungen im Sinne eines nachhaltigen Konsums. Wenn es um die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der Agrobiodiversität geht, haben Verbraucher einen entscheidenden Einfluss - denn auch hier gilt: Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Fragen doch auch Sie als Verbraucher gezielt nach saisonalen und regionalen Produkten, speziellen Obst- und Gemüsesorten, nach Fleisch, Wurst und Käse regionaltypischer Rassen. Oder verlangen Sie nach alten Obst-, Gemüse- und Zierpflanzensorten und -arten für den Anbau im eigenen Garten, und unterstützen Sie damit die Agrobiodiversität.
Die kürzlich vom Bundeslandwirtschaftsministerium veröffentlichte Strategie zur Agrobiodiversität sieht als ein zentrales "Leuchtturmprojekt" eine Vielfalts-Kampagne zur Agrobiodiversität vor. Sie soll die breite Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren und durch Aufklärung und Informationsbereitstellung in die Lage versetzen, durch ihre Kaufentscheidung zur Erhaltung der Agrobiodiversität beizutragen.
Wie aber können die Verbraucher erkennen, ob das Schnitzel tatsächlich von einer bestimmten Schweinerasse bzw. aus einer bestimmten Region stammt? Hier hilft die Kennzeichnung von Produkten. Regionaltypische Produkte aus besonderen Rohstoffen - z.B. aus regionaltypischen Pflanzensorten und Tierrassen - können den EU-weiten Markenschutz "geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.)" oder "geschützte geografische Herkunftsangabe (g.g.A.)"erhalten. Erfolgreiche Beispiele dafür sind das "Schwäbisch-Hällische Qualitätsschweinefleisch g.g.A." oder die "Diepholzer Moorschnucke". Bislang wird der Markenschutz zur Förderung der Agrobiodiversität jedoch noch selten genutzt.

- EU-Label "geschützte geographische Angabe" und "geschützte Ursprungsbezeichnung"
© BLE
In der Schweiz wird ein Gütesiegel für agrobiodiversitätsfördernde Produkte vergeben. Das Gütesiegel hilft den Landwirten bei der Vermarktung ihrer Produkte und den Verbrauchern bei ihren Kaufentscheidungen.

