Gefährdung forstlicher Genressourcen

Sturmschäden durch Kyrill, Wittgenstein, März 2007, © Wikimedia Commons

Anthropogene Einflüsse erstrecken sich dabei über ein breites Spektrum:

Rodung und Verinselung

Seit Beginn der Nutzung von Naturgütern greift der Mensch in den Wald ein. Die Rodung von Wäldern hat in der Vergangenheit zu großflächigen Waldzerstörungen geführt. Die Inanspruchnahme von Wald für Siedlung, Gewerbe, Industrie und Verkehr hat die gleichen Folgen.

Immisionen

Mit der Industrialisierung sind Luftverunreinigungen als weitere Gefährdung der Wälder hinzugekommen. Handelte es sich zunächst um lokal beschränkte Rauchschäden, so traten seit den siebziger Jahren flächendeckende Immissionen auf, die zu massiven Blatt- und Nadelverlusten bis hin zu flächigen Absterbeerscheinungen führten. In Deutschland ist etwa ein Drittel der über 60jährigen Waldbestände seit vielen Jahren deutlich geschädigt.

Klimaveränderungen

Umfang und Auswirkungen der prognostizierten anthropogen verursachten Klimaveränderungen auf Bäume und Sträucher, beispielsweise durch globale Erwärmung oder erhöhte UV-Strahlung, sind derzeit noch unklar, Verluste an genetischer Vielfalt sind aber zu erwarten.

Eingriffe in den Wasserhaushalt

Eingriffe in den Wasserhaushalt können durch Vernässungen oder Absenkungen des Grundwasserspiegels zu Ökosystemveränderungen führen. Dies kann das Absterben von Baum- und Strauchpopulationen bewirken, die Konkurrenzverhältnisse verändern und damit örtlich Arten verdrängen.

Biotische und abiotische Schadereignisse

Großflächige biotische und abiotische Schadereignisse wie Kalamitäten durch Insekten, Pilzkrankheiten und Kleinsäuger sowie Schäden durch Sturm, Schnee oder Feuer können zum Verlust der genetischen Informationen lokal angepasster Populationen führen.

Historische Waldnutzungen

Vor der Einführung einer geregelten Forstwirtschaft vor ca. 200 Jahren kam es durch überhöhte Holznutzung, Waldweide und Streunutzung zu Waldverwüstungen. Die speziellen Bedürfnisse der Bevölkerung führten zu einer Bevorzugung bestimmter Baumarten und zur Verdrängung anderer Baumarten. Die devastierten Flächen wurden seit Beginn des 19. Jahrhunderts überwiegend mit Nadelbaumarten wiederaufgeforstet.

Verwendung ungeeigneten Vermehrungsgutes

Die Forstwirtschaft hat zum Ziel, bei Saat und Pflanzung nur noch standortangepasste und leistungsfähige Herkünfte zu verwenden. Es ist aber nicht auszuschließen, dass z. B. durch unzutreffend bezeichnete Herkünfte auch heute noch ungeeignete Herkünfte in den Wald eingebracht werden.

Auswirkungen unsachgemäßen forstlichen Handelns

Die genetische Vielfalt der Waldbestände bzw. Baumpopulationen kann bei der Waldbewirtschaftung beispielsweise durch Verjüngung mit zu geringen Pflanzenzahlen oder durch stark selektive Eingriffe bei der Bestandespflege und Holznutzung vermindert werden.

Wildbestände

Zu hohe Wildbestände gefährden die genetische Vielfalt vor allem dadurch, dass Verjüngungen bestimmter Baum- und Straucharten bevorzugt verbissen werden. Insbesondere seltene und verbissgefährdete Baumarten sind dadurch in ihrem Bestand bedroht.

Totalschutzgebiete/Prozessschutz

In Wäldern, in denen auf jegliche Bewirtschaftung verzichtet wird, können wertvolle Vorkommen seltener Gehölze im Zuge der natürlichen Sukzession durch konkurrenzstärkere Arten in ihrem Bestand gefährdet sein. Besonders seltene Arten sind dadurch existenziell gefährdet.