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Indikator "Genetische Vielfalt"

Der Indikator "Genetische Vielfalt der Landwirtschaft" bilanziert das Ausmaß der Gefährdung genetischer Ressourcen in der Landwirtschaft und der Ernährung in Deutschland zunächst am Beispiel ausgewählter einheimischer Nutztierrassen. Es ist angestrebt, weitere Indikatoren genetischer Vielfalt zu pflanzen-, forst-, aquatischen und mikrobiellen genetischen Ressourcen der Landwirtschaft und der Ernährung zu entwickeln.

Quelle: Indikatorenbericht 2010 zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt, BMU 2010

Der Indikator ist Teil des Indikatorenberichts 2010 zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt der Bundesregierung.

Definition

Der Indikator gibt Auskunft über das Ausmaß der Gefährdung genetischer Ressourcen in der Landwirtschaft am Beispiel der fünf Nutztierarten (Pferd, Rind, Schwein, Schaf und Ziege). Der Indikator stellt eine national modifizierte Form des europäisch abgestimmten SEBI 2010-Indikators "Livestock genetic diversity" dar. Als Datengrundlage dienen die von den Züchtervereinigungen und herdbuchführenden Stellen zur Verfügung gestellten Bestandszahlen, die vom IBV in der Zentralen Dokumentation Tiergenetischer Ressourcen in Deutschland (TGRDEU) zusammengeführt werden. Für die Berechnung des Indikators wird die Einstufung der Rassen in die Rote-Liste-Kategorien der Roten Liste der gefährdeten einheimischen Nutztierrassen in Deutschland ausgewertet (BLE 2010). Die Einteilung in die Gefährdungskategorien wird vom Fachbeirat für tiergenetische Ressourcen des BMELV vorgenommen.

Es werden vier Rote-Liste-Kategorien unterschieden:

(1) Phänotypische Erhaltungspopulationen (PERH): Diese Rassen können aus tierzuchtwissenschaftlicher Sicht nur noch als Rudimente verstanden werden, der kulturelle Wert solcher Rassen ist jedoch unbestritten;

(2) Erhaltungspopulationen (ERH): stark existenzgefährdete Populationen;

(3) Beobachtungspopulationen (BEO): gefährdete Populationen;

(4) nicht gefährdete Rassen.

 

Aussage

Der Anteil gefährdeter einheimischer Rassen (BEO, ERH, PERH) ist im Jahr 2010 mit etwas mehr als 83 % sehr hoch. Es müssen gezielt Maßnahmen zur Verringerung der Gefährdungssituation ergriffen werden. Es ist als positiv zu sehen, dass im betrachteten Zeitraum keine einheimische Großtierrasse in Deutschland ausgestorben ist. Der leichte Anstieg beim Gefährdungsanteil zwischen 2006 und 2010 ist auf die Neubeschreibung zweier einheimischer Rassen zurückzuführen, die als gefährdet eingestuft wurden. Innerhalb der Gefährdungsstufen lässt sich eine leichte Verschiebung in Richtung geringerer Gefährdung ablesen. So konnte im Beobachtungszeitraum erreicht werden, dass sich der Anteil der als Phänotypische Erhaltungspopulation eingestuften Rassen um rund 4 % reduzierte.

Die Situation in der Tierzucht ist nur in sehr eingeschränktem Maße auf andere Sektoren genetischer Ressourcen in der Landwirtschaft und Ernährung übertragbar. Deshalb sollen weitere spezifische Indikatoren genetischer Vielfalt vor allem zur Kennzeichnung der Situation in der Pflanzenzüchtung erarbeitet werden, um künftig ein umfassendes Bild über die genetische Vielfalt in der Landwirtschaft und Ernährung zu erhalten.