Klimawandel und Agrobiodiversität
Der prognostozierte Klimawandel kann erhebliche und schwer abschätzbare Auswirkungen auf die Agrobiodiversität und die Ertragssicherheit der agrarischen und forstlichen Nutzungssysteme haben. Agrobiodiversität kann aber auch eine zentrale Rolle spielen, um auf die Folgen des Klimawandels reagieren zu können.

- Zukunftsszenario: Die Zülpicher Börde im Jahr 2050?
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Klimabeobachtungen zeigen immer eindeutiger, dass das Klima sich global wandelt.
Temperaturanstieg, die Veränderungen in der Niederschlagsverteilung, die Zunahme von Wetterextremen und Treibhausgasemissionen haben direkte Auswirkungen auf die biologische Vielfalt. Sie bewirken Verschiebungen der Verbreitungsgebiete von Arten, sie beeinflussen Artenzusammensetzung, Struktur und Funktion von Ökosystemen und Wachstums- und Reproduktionsraten und können damit das gesamte ökologische Gefüge von Lebensräumen und Landschaften verändern. Die große Geschwindigkeit, mit der sich die Klimabedingungen ändern, erschwert eine Anpassung von Pflanzen und Tieren, wodurch der Klimawandel nach Einschätzung mancher Experten zukünftig zur größten Bedrohung für die biologische Vielfalt werden könnte.
Die Risiken des Klimawandels für Landwirtschaft und Agrobiodiversität und damit für die Ernährungssicherheit sind schwer abschätzbar. Insgesamt ist mit deutlichen Auswirkungen auf die Landwirtschaft zu rechnen, wobei es weltweit regional große Unterschiede geben wird. Bereits heute leiden vor allem die ärmeren Regionen dieser Erde unter drastischen Ertragsausfällen durch Trockenheit, Dürren oder Überschwemmungen.
Auch unter unseren Breitengraden sind erste Auswirkungen des Klimawandels auf Landwirtschaft und Agrobiodiversität sichtbar. In der Tierhaltung stellt die durch den Klimawandel begünstigte Zunahme bestimmter Krankheiten eine Gefahr für die Vielfalt der Rassen dar. Ein Beispiel dafür ist die Ausbreitung der Blauzungenkrankheit bei Schafen, Rindern und Ziegen, die durch eine aus Südeuropa stammende Mücke übertragen wird. Aber nicht immer sind die Auswirkungen so drastisch. So können sich vor allem durch den Temperaturanstieg auch Chancen für die Etablierung bei uns neuer Arten und Sorten ergeben, wie es die Beispiele der Kiwi oder wärmeliebenderer Weinsorten zeigen.
Agrobiodiversität leistet einen Beitrag zum Klimaschutz
Da der Klimawandel bereits Wirkung zeigt, besteht die große Herausforderung nun darin, verantwortungsvoll und zukunftsweisend darauf zu reagieren.
Dabei spielt die Agrobiodiversität eine zentrale Rolle. Nur mit Hilfe der biologischen Vielfalt wird es möglich sein, die Land- und Forstwirtschaft an die veränderten Umweltbedingungen anzupassen, indem geeignete Rassen, Sorten oder Populationen entwickelt werden. Eigenschaften, die durch den Klimawandel stark an Bedeutung gewinnen, wie Hitzetoleranz und Trockenheitsresistenz, werden bereits heute in der Pflanzenzüchtung berücksichtigt.
Der Anbau nachwachsender Rohstoffe gewinnt eine immer größere Bedeutung als Klimaschutzmaßnahme, weil dadurch fossile Energieträger eingespart und, eine nachhaltige Produktion vorausgesetzt, die Emission von Treibhausgasen vermindert werden können. Die Agrobiodiversität bietet hier ein großes Innovationspotenzial und kann durch die Erschließung und Nutzung neuer Pflanzenarten einen wichtigen Beitrag leisten. Gleichzeitig ist bei der Förderung nachwachsender Rohstoffe große Vorsicht geboten, um negative Auswirkungen auf die Agrobiodiversität zu vermeiden.
Die Leistungen, die von Arten und Ökosystemen erbracht werden, wie z.B. die Speicherung von Kohlenstoff oder die Regulierung des Wasser- und Energiehaushaltes, können in erheblichem Maße zum Klimaschutz beitragen. Nachhaltige Produktionssysteme sind in der Lage, einen wichtigen Beitrag zur Reduktion der Treibhausgasemissionen zu leisten. Die langfristige Festlegung von Kohlenstoffvorräten in Wäldern und in bewirtschafteten Böden hat ebenfalls ein erhebliches Emissionsminderungspotenzial.
Bislang ist das vorhandene Wissen über die Risiken des Klimawandels unzureichend. Deshalb bedarf es eines besseren Verständnisses der komplexen Zusammenhänge zwischen Klimaänderungen und biologischer Vielfalt. Handlungsbedarf besteht u.a. bei der Erfassung und Bewertung der Auswirkung von Klimaänderungen auf die Agrobiodiversität, bei der Erarbeitung einer Fachstrategie zu Klimafolgen und zur Anpassung des Waldes und bei der Innovationsförderung im Bereich der Pflanzenzüchtung im Hinblick auf den Klimawandel.

