Teltower Rübchen

Chemie-Ingenieur Günter Duwe, 84, hat 40 Jahre lang am Institut für Polymerenchemie der Akademie der Wissenschaften in Teltow gearbeitet. 1998 gründete er gemeinsam mit weiteren Liebhabern des „Teltower Rübchens“ den „Förderverein Teltower Rübchen e.V.“, dessen Tätigkeit gemeinnützig ist und alle förderungswürdigen Bereiche (Schutz, Anbau und Vermarktung) dieser Rübenart umfasst.
Was ist das Besondere am Teltower Rübchen?
Die kleinen schlanken Rüben aus Teltow tauchen in der Literatur bereits Mitte des 17. Jahrhunderts auf und galten schon damals als Delikatesse. Großer Beliebtheit erfreute sich diese regionale Spezialität nicht nur bei Goethe oder Kant, sondern bis hin zum Hof des französischen Kaisers Napoleon. Den einzigartigen, leicht scharfen Geschmack verdankt das kleine kegelförmige Rübchen seinen besonderen Inhaltstoffen. Es hat außerdem einen sehr geringen Wasseranteil, was es zur härtesten Sorte dieser Rübenart macht. Mit Beginn der Industrialisierung, Anfang des 20. Jahrhunderts, wurde der Anbau als Erwerbsquelle zunehmend unattraktiv, da Saat und Ernte dieses Herbst- und Wintergemüses aufwendig per Hand durchgeführt werden müssen. Zu DDR-Zeiten war das Teltower Rübchen für die Großfelderwirtschaft der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) uninteressant, fehlte im Angebot und geriet deshalb in Vergessenheit.

Wie kam es zu seiner Wiederentdeckung?
Das Teltower Rübchen wurde lange nur im privaten Bereich angebaut. 1998 habe ich dann eine öffentliche Verkostung organisiert und es 1999 auf der „Grünen Woche“ vorgestellt. So kam es zum Neuanfang der Vermarktung durch Teltower Gartenbetriebe. Gekauft werden kann das Teltower Rübchen heute wieder auf Märkten in Berlin und bei den beiden Erzeugern in Teltow. Am 26. September feiern wir jetzt schon zum 11. Mal das Teltower Rübchenfest im Ortsteil Ruhlsdorf.
Wie schmeckt die Rübe denn am besten?
Sind die Rübchen vom Feld geholt, werden sie zunächst gründlich gereinigt. Zu beachten ist unbedingt das Schaben und nicht das Schälen der Rübe nach dem Waschen! Kocht man sie im Ganzen oder zerschnitten in Brühe, ist es wichtig eine Prise Zucker zuzusetzen, durch die sich der Geschmack besonders gut entfalten kann. Beliebt ist es auch, karamellisierten Zucker zu den Rüben in die köchelnde Brühe zu geben. Serviert werden die Teltower Rübchen gerne zu Fleischgerichten oder zu Bratwürsten. Es gibt eine Vielzahl an weiteren Rezepten für das Teltower Rübchen. Vorsicht ist jedoch in der Gastronomie geboten, da nicht überall echte Teltower Rübchen verwendet werden. Die vielen Namensfälscher haben auch den Anstoß gegeben, das Original zu schützen: Im Jahr 1993 schützte der brandenburgische Landwirtschaftsverband „pro agro“ das Teltower Rübchen als Marke.
Was macht das Teltower Rübchen schützenswert?
Zum Einen ist es der besondere Geschmack für den es sich lohnt, die Rübe nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Zum anderen steht das urtümliche Rübchen für die lange Geschichte und Tradition unserer Region. Das müssen wir erhalten! Beides war übrigens auch Grund dafür, dass die Vereinigung „Slow Food“ die Teltower Rübchen als „Passagier“ in die „Arche des Geschmacks“ aufgenommen haben.
Service
Wer mehr über das Teltower Rübchen erfahren möchte, kann in Günter Duwes Buch zum Thema nachlesen: Duwe ist Autor des Buchs „Das Teltower Rübchen“, das in Kürze in zweiter Auflage im Stadtblatt-Verlag erscheinen wird.
Weitere Informationen bekommen Sie beim „Förderverein Teltower Rübchen e.V.“, Stormstraße 13, 14513 Teltow oder über den „Heimatverein Stadt Teltow 1990 e.V.“.
