Über den Erhalt des Roten Höhenviehs

Jörg Bremond, 50 Jahre alt, studierte Agrarwissenschaften in Gießen und ist Mitglied im Vorstand des "Vereins zur Erhaltung und Förderung des Roten Höhenviehs e.V." sowie Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Rotes Höhenvieh. Er ist auch Mitglied bei der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH). Jörg Bremond arbeitet im Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV) bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in Bonn im Arbeitsgebiet "tiergenetische Ressourcen". Außerdem betätigt er sich als Hobbybauer (Ackerbau und Viehzucht) im Westerwald.

Wodurch zeichnet sich das Rote Höhenvieh aus?
Das Rote Höhenvieh war ursprünglich eine sogenannte "Dreinutzungsrasse": es lieferte Fleisch und Milch und wurde auch als Zugtier gebraucht. Die Rasse ist robust und anpassungsfähig und ist daher einfacher zu halten und zu betreuen als viele andere Rassen. Außerdem schmeckt das Fleisch vom Roten Höhenvieh sehr gut. Das wissen bislang nur Feinschmecker und Gastronomen. Wir wünschen uns, dass in Zukunft mehr Menschen das schmackhafte Fleisch nachfragen werden und somit die Rasse erhalten wird.

Das Rote Höhenvieh war früher weit verbreitet. Welche Rolle hat es in der Landwirtschaft gespielt und warum ist es ab 1950 zunehmend verdrängt worden?
Das Rote Höhenvieh war die Rasse, die in die damals bäuerlich organisierte Landwirtschaft passte. Ab 1950 setzte dann im Zuge der damals noch nicht so genannten „Globalisierung“ die Spezialisierung der Rassen auf Milch oder Fleisch ein. Bis 1970 wurde das Rote Höhenvieh von anderen Rassen, die mehr Milch lieferten, verdrängt.
Wie kam es zur Gründung Ihres Vereins, der sich den Erhalt des Roten Höhenviehs zum Ziel setzt?
Die Gründung des Vereins war eine Reaktion auf das drohende Verschwinden der Rasse. Die Erkenntnis, dass man eine über Jahrhunderte angepasste alte Haustierrasse – aus tierzüchterischen und kulturellen Gründen – nicht so einfach verschwinden lassen konnte, war allgemein anerkannt und unstrittig. So wurden im Verein alle Aktivitäten zu Rettung des Höhenviehs gebündelt. Gerade hat unser Verein sein 25jähriges Jubiläum gefeiert.

Welche Gründe haben Landwirte, das Rote Höhenvieh heute zu züchten?
Heute gibt es bundesweit wieder über 1000 Herdbuchtiere. Das Knacken der Tausendermarke ist ein schöner Erfolg für unsere Züchter. Landwirte züchten das Rote Höhenvieh aus ganz unterschiedlichen Motiven: Der ökonomische Grund für die Haltung des Roten Höhenviehs ist natürlich die Erzeugung von Fleisch. Einige Landwirte nutzen ihre Flächen heute lediglich noch im Nebenerwerb und möchten somit pflegeleichte Tiere, die nicht viel Arbeit und Aufwand verlangen.
Außerdem wollen Landwirte damit auch ihre regionale Kultur und Identität bewahren. Die Tiere eignen sich natürlich auch sehr gut für Landschaftspflegemaßnahmen und erhalten auf diese Weise auch die ökologische Vielfalt auf den Wiesen.
Was sind die Ziele des Vereins zur Erhaltung und Förderung des Roten Höhenviehs für die nächsten Jahre?
Der Verein möchte weiterhin die Züchter in ihrer Arbeit unterstützen. Wir beraten Landwirte, stellen Zuchttiere bereit und halten den Kontakt zu staatlichen Stellen, Verbänden und Organisationen. Außerdem möchten wir, dass das Rote Höhenvieh bekannter wird und stärker nachgefragt wird, um so seine Zucht langfristig zu sichern.
Weitere Informationen: Der Verein hat einen 45minütigen Film über die Rasse gedreht und vorgestellt: www.rotes-hoehenvieh.de
