Schwäbisch-Hällisches Landschwein

Rudolf Bühler ist Diplom-Agraringenieur und Biobauer auf dem Sonnenhof in Schwäbisch-Hall. Seit 1984 züchtet er das Schwäbisch-Hällische Landschwein. Damals gab es auf seinem Hof noch genau ein Schwein dieser Rasse. Mit den letzten noch verbliebenen Tieren auf anderen Höfen war der Wiederaufbau der Rasse gerade noch möglich. Das Schwäbisch-Hällische Landschwein steht allerdings nach wie vor auf der Roten Liste der gefährdeten einheimischen Nutztierrassen. Daher arbeitet die Züchtervereinigung intensiv daran, die Zuchtbestände kontinuierlich weiter aufzustocken.

Was ist ein Schwäbisch-Hällisches Landschwein?

Das Schwäbisch-Hällische ist ein robustes, widerstandsfähiges Schwein, das sehr fruchtbar ist. Sein Fleisch hat eine ganz besondere Qualität. Die Rasse hat chinesische Wurzeln: Seit 1820 gibt es eine planmäßige Schweinezüchtung in Deutschland zur „Hebung der Schweinezucht“, wie man das damals nannte. Über England wurden chinesische Schweine nach Württemberg eingeführt, um die Qualität der Schweine zu verbessern. Das Schwäbisch-Hällische Landschwein ist die erste Rasse, die auf diese Weise entstand – durch die Kreuzung domestizierter Wildschweine mit den chinesischen Maskenschweinen.

Sie züchten diese Rasse seit mehr als 25 Jahren. Warum?

Ich war nach dem Studium mehrere Jahre als Agrarexperte in der Entwicklungshilfe in Asien und Afrika tätig. Dort habe ich gesehen, wie wichtig die Erhaltung einheimischer Rassen ist: Sie sind optimal an ihre Standorte angepasst, im Gegensatz zu importierten so genannten Hochleistungsrassen. Diese bringen weder die Robustheit mit, um aus dem vorhandenen Futter das Beste rauszuholen, noch sind sie widerstandsfähig gegen Parasiten und Krankheiten. Als ich dann nach Deutschland zurückkam, bekam ich die Chance, auf meinem Bauernhof einer alten Rasse wieder zur Geltung zu verhelfen. Ich wollte die Arbeit von Generationen, die sich um das Schwäbisch-Hällische Landschwein verdient gemacht hatten, erhalten. Immerhin haben meine Vorfahren damit auch ein Kulturgut geschaffen.

Das dann allerdings verdrängt wurde.

In den 1950er Jahren betrug der Marktanteil der Hällischen Rasse in Nordwürttemberg noch über 90 Prozent. Aber dann gab es eine sehr starke Tendenz, die Rassenvielfalt in der Landwirtschaft aufzugeben. Es wurde das industriegerechte Einheitsschwein gefordert. Landwirte haben sogar finanzielle Anreize bekommen, auf die alten Rassen zu verzichten. Es wurden holländische Magerschweine nach Deutschland importiert, die schnell wachsen und mageres Fleisch haben. 1970 war das Schwäbisch-Hällische Landschwein praktisch ausgestorben, es gab nur noch wenige Tiere. Dieses Schicksal haben übrigens alle alten Landrassen erlitten: In den 1950er Jahren gab es noch 15 Schweinerassen in Deutschland, Anfang der 1980er Jahre waren es noch drei.

Wie ist die Situation heute?

In der Züchtervereinigung, die wir 1986 gegründet haben, züchten mittlerweile wieder 250 Betriebe das Schwäbisch-Hällische Landschwein, es gibt 3.500 reinrassige Muttersauen und ca. 100 Herdbuchsauen, also Sauen, die für die Zucht ausgewählt sind. Wir haben eine als verloren geglaubte Genetik wieder aufgebaut. Was man allerdings nie vergessen sollte: Züchtung ist ein dynamischer Prozess. Man definiert ein Zuchtziel und passt die Rasse daran an. Natürlich bleibt sie im Kern dieselbe, aber der Typ ändert sich. Die Hällischen Landschweine sind heute etwas größer und weniger fett als sie es in den 50er Jahren waren.
Inzwischen vertreiben wir unsere Echt Hällischen Fleisch- und Wursterzeugnisse in ganz Deutschland –  in Delikatessgeschäften und in der Spitzengastronomie, in Bayern und Baden-Württemberg auch in Fleischereifachgeschäften.

Service

Weitere Informationen zum Schwäbisch-Hällischen Landschwein finden Sie auf der Internetseite der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch-Hall. Dort finden Sie auch Bezugsquellen für Frischfleischprodukte und können in einem Online-Shop haltbare Fleischerzeugnisse bestellen: www.BESH.de