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In-situ-Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen

In-situ-Erhaltung ist gemäß des Übereinkommens über die Biologische Vielfalt die Erhaltung von Ökosystemen und natürlichen Lebensräumen sowie die Bewahrung und Wiederherstellung lebensfähiger Populationen von Arten in ihrer natürlichen Umwelt bzw. im Falle von domestizierten Arten in der Umgebung, in der sie ihre besonderen Eigenschaften entwickelt haben.

Viele verschiedene Feldfrüchte in einem großzügig angelegten Gemüsegarten
Gemüsegarten, © BLE

In Deutschland ist die In-situ-Erhaltung ein traditioneller Bereich des Naturschutzes ungeachtet des potenziellen Werts der Arten für eine Nutzung in Landwirtschaft und Ernährung. Der Naturschutz räumt dem In-situ-Schutz und der In-situ-Erhaltung Priorität ein, wobei die Arten in ihren Ökosystemen den dynamischen Prozessen der Evolution ausgesetzt bleiben. Natürliche Selektion und die Notwendigkeit einer Anpassung an wechselnde Umwelteinflüsse sind so gewährleistet.

Als wichtige Merkmale der In-situ-Bewirtschaftung im Naturschutz sind die nachhaltigkeitsorientierte land- und forstwirtschaftliche Flächennutzung sowie die Aktivitäten des Natur- und Landschaftsschutzes zu nennen. Die Aktivitäten umfassen Maßnahmen des Artenschutzes und des flächenbezogenen Biotopschutzes.

Die Erhaltung genetischer Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft spielte bei Bewirtschaftungs-, Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen des Naturschutzes bisher keine große Rolle. Inwieweit Maßnahmen des Naturschutzes geeignet sind, genetische Ressourcen zu erhalten, ist noch wenig bekannt.
Für potenziell in der Nahrungsmittelproduktion, Futterpflanzenanbau oder im Sektor nachwachsende Rohstoffe nutzbare Wildpflanzenarten und für die mit Kulturpflanzen verwandten Wildarten (crop wild relatives - CWR) ist die In-situ-Erhaltung gegenwärtig wohl die am ehesten realisierbare Schutzmaßnahme.

On-farm-Bewirtschaftung ist ein Spezialfall der In-situ-Erhaltung, bei dem pflanzengenetische Ressourcen im Rahmen des landwirtschaftlichen Produktionsprozesses selbst erhalten und weiterentwickelt werden. Dieses Konzept stammt ursprünglich aus Entwicklungsländern, wo seine Bedeutung im Hinblick auf die Erhaltung und Verbesserung von Landsorten auf der Hand liegt. Die Notwendigkeit einer On-farm-Bewirtschaftung in Ländern wie Deutschland mit einer stark arbeitsteiligen Landwirtschaft, in dem herkömmliche Landsorten weitgehend von den Feldern der Bauern und aus den Gärten verschwunden sind und Saatgut von leistungsfähigen Zuchtsorten leichter verfügbar ist, ist dagegen weniger deutlich.

Als wichtige Ziele der On-farm-Bewirtschaftung in Deutschland sind zu nennen: (1) die Erhöhung der Artenvielfalt von Kulturpflanzen durch die Förderung besonders vernachlässigter und derzeit gering genutzter Nutzpflanzenarten, (2) die Erhöhung der genetischen Vielfalt ausgewählter Pflanzenarten durch den Anbau genetisch divergenter Sorten oder lokaler Landrassen, (3) die Erhöhung der kulturellen Vielfalt und der die Erhaltung traditionellen Wissens, (4) die genetische Weiterentwicklung der pflanzengenetischen Ressourcen, insbesondere der Landsorten, durch fortgesetzte evolutionäre Prozesse, (5) die nachhaltige Sicherung und Verfügbarkeit qualitativ hochwertiger landwirtschaftlicher Erzeugnisse für die menschliche Ernährung sowie (6) die Diversifizierung der landwirtschaftlichen Produktion durch die Entwicklung neuer Erzeugnisse für bestimmte Marktnischen.

Es gibt in Deutschland eine Vielzahl privater Initiativen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zur Erhaltung und Weiterentwicklung der Vielfalt der Landsorten (z. B. Erhaltungs- und Amateursorten), deren Aktivitäten jedoch insgesamt nicht ausreichend koordiniert sind.