Invasive gebietsfremde Arten

Verschiedene Kräuter
Invasive gebietsfremde Arten, das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) und die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis)<br>© BLE

Eine invasive gebietsfremde Art ist eine Art, die außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes eingeführt wurde und deren Einführung und anschließende Ausbreitung die dort heimische biologische Vielfalt gefährdet. Unter den Begriff der gebietsfremden Organismen fallen Neozoen (Tiere), Neophyten (Pflanzen) und Neomyceten (Pilze). Allgemein spricht man von Neobiota.

Mit wachsenden internationalen Verkehrs- und Warenströmen steigt das Risiko erheblich, Organismen unabsichtlich über die Grenzen ihres natürlichen Verbreitungsgebietes hinaus zu verschleppen. Mögliche Transportwege sind zum Beispiel frisch geschlagenes und verarbeitetes Holz, Ballastwasser der Schifffahrt (Bakterien, Algen, Krebse) oder auf dem Luftwege mit ihren Wirten (Malariamücken), mit getopften Zierpflanzen (Planarien, Schnecken, Würmer) oder importierten frischen Nahrungs- und Genussmitteln (Bakterien, Viren).

Ebenso nimmt aber auch die absichtliche Verbringung von Pflanzen und Tieren zu. Es wird davon ausgegangen, dass rund die Hälfte der bei uns etablierten, ursprünglich nicht heimischen, gebietsfremden Pflanzen absichtlich eingeführt wurden, die meisten davon als Zierpflanzen (insgesamt ca. 30 %), der Rest als land- und forstwirtschaftliche Nutzpflanzen (20 %). Jedoch wird nur ein Teil davon invasiv. Bei den absichtlich eingebrachten Tieren bzw. unbeabsichtigt freigekommenen Tierarten sind ebenfalls nur einige als invasiv zu bezeichnen (zum Beispiel Waschbär, Ochsenfrosch, Wollhandkrabbe).

Gefahren invasiver gebietsfremder Arten

Durch die Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten entsteht eine Gefährdung für die heimische biologische Vielfalt, die agrarwirtschaftliche Erzeugung, das Landschaftsbild und zum Teil auch für die Gesundheit der Menschen (zum Beispiel Pflanzen mit allergenem Potenzial). Genetische Ressourcen der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft können massiv geschädigt werden. Ein dramatisches Beispiel dafür ist das Ulmensterben in Europa. Die Einschleppung des für das Ulmensterben verantwortlichen Pilzes mit Holzimporten und seine nachfolgende Ausbreitung haben die einheimischen Ulmenarten Berg- und Feldulme bis auf Restvorkommen zum Aussterben gebracht. Ein Beispiel für die Gefährdung aquatischer genetischer Ressourcen ist die aktuelle Ausbreitung der Pazifischen Auster in die heimischen Miesmuschelkulturen. Die Verdrängung der heimischen Miesmuschel gefährdet dabei einen wichtigen Erwerbszweig der Küstenfischerei.

Maßnahmen zur Verhütung der Einfuhr und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten

Politik und Wissenschaft beschäftigen sich daher intensiv mit den "Alien Species" beziehungsweise mit den Neobiota. Mit der Ratifizierung des Übereinkommens über die Biologische Vielfalt (CBD) ist die Bundesrepublik Deutschland die Verpflichtung eingegangen, den oben angerissenen Problemen entgegenzuwirken. Auf der 6. Vertragsstaatenkonferenz der CBD (2002) wurden die "Leitlinien (Guiding Principles) über die Verhütung der Einfuhr und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten" als wichtiger internationaler Verhandlungserfolg verabschiedet. Die Vertragsstaaten anerkennen ausdrücklich die vielfältigen Aktivitäten im Rahmen des Internationalen Pflanzenschutzübereinkommens (IPPC). Das IPPC hat zum Ziel, die Einschleppung und Verbreitung pflanzenschädigender Organismen zu verhindern.

Die Europäische und Mediterrane Pflanzenschutzorganisation (EPPO) listet invasive gebietsfremde Pflanzen auf ihrer "Alert List", um ihre Mitgliedstaaten vor möglichen Gefahren durch bestimmte Arten zu warnen. Es besteht eine enge Kooperation mit der Berner Konvention, über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume.

Die europäische Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG) verpflichtet die Mitgliedstaaten durch den Artikel 22 dazu, absichtliche Ansiedlungen "einer in ihrem Hoheitsgebiet nicht einheimischen Art" so zu regeln, dass "weder die natürlichen Lebensräume in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet, noch die einheimischen wildlebenden Tier- und Pflanzenarten geschädigt werden". Eine Ansiedlung kann im Falle einer solchen Gefährdung auch verboten werden.

National setzt das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) in Artikel 41 (2) den rechtlichen Rahmen, wie die Länder zur Verhinderung einer Verfälschung oder Gefährdung der heimischen Tier- und Pflanzenwelt durch eine Ansiedlung gebietsfremder Arten zu verfahren haben.

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) unterhält in Zusammenarbeit mit dem Institut für Ökologie der TU Berlin und der Arbeitsgemeinschaft biologische Invasoren (Neobiota) das Internetforum "NeoFlora", auf dem umfassende Informationen zum Thema gebietsfremde Pflanzenarten (Neophyten bzw. Invasive Arten) in Deutschland angeboten werden.

Das Julius Kühn-Institut (JKI) erarbeitet unter Federführung des Instituts für Nationale und Internationale Angelegenheiten der Pflanzengesundheit Strategien zur Verhinderung der Ein- und Verschleppung von Pflanzenkrankheiten und -schädlingen und wirkt aktiv bei den Arbeiten des IPPC, der EPPO und der EU mit.