Sortenabhängigkeit der Apfelallergie

Angebissene Äpfel

Der Genuss eines frischen, saftigen Apfels wird bei manchen Menschen getrübt - durch ein Kribbeln und gegebenenfalls auch Entzündungen im Mund- und Rachenbereich oder auch Augenjucken. Es handelt sich dabei um lokale Allergiesymptome, die in der Regel nach einigen Stunden wieder vergehen, teilweise aber auch Tage anhalten können. Häufig entwickelt sich eine Apfelallergie erst im Laufe des Lebens und in unseren Breiten häufig in Kombination mit einer Birkenpollenallergie.

Die Betroffenen berichten, dass sie auf verschiedene Apfelsorten unterschiedlich stark reagieren, manche aber vertragen. In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde gezeigt, dass sich Apfelsorten hinsichtlich interner Faktoren, die mit einer Apfelallergie in Verbindung gebracht werden, unterscheiden. Als Ergebnis solcher Untersuchungen konnten relative Aussagen zur Allergenität der untersuchten Apfelsorten gemacht werden [unter anderem 3;7].  Das Erstellen von allgemeingültigen Verträglichkeitslisten ist jedoch aus verschiedenen Gründen nicht ganz unproblematisch:

  • Die meisten Untersuchungen konzentrieren sich auf das Hauptallergen (Mal d 1) im Apfel, das in der Mehrzahl der Fälle für die Allergie in unseren Breiten verantwortlich ist. Daneben gibt es im Apfel aber weitere allergieauslösende Proteine, auf die ein Teil der Betroffenen reagiert.

  • Interne Faktoren (u.a. Polyphenolgehalt, Polyphenoloxidaseaktivität) beeinflussen den Mal d 1-Gehalt und damit das Allergiepotenzial.

  • Reifeprozess, Lagerungsdauer und -art beeinflussen den Allergengehalt. Von praktischer Relevanz ist in diesem Zusammenhang, dass sich das Allergiepotenzial mit zunehmender Lagerungsdauer in der Regel erhöht.

  • Externe Faktoren, wie Standort- und Anbaubedingungen, wirken auf den Allergengehalt einer Sorte. So wurden bei der Untersuchung von ausgewählten Apfelsorten auf zwei verschiedenen Standorten unterschiedliche Rangfolgen bezüglich ihres Allergengehalts erstellt [3].

Die BUND-Ortsgruppe Lemgo hat eine Internetplattform eingerichtet, wo sich Allergiker über die Verträglichkeit verschiedener Apfelsorten informieren können. Dort ist auch eine Apfelallergieliste zu finden, die auf den individuellen Meldungen von Allergikern zur Verträglichkeit einer bestimmten Apfelsorte basiert. Diese Apfelallergieliste wird fortlaufend ergänzt und aktualisiert und kann Allergikern helfen, verträgliche Sorten zu finden (siehe Links zum Thema).

An verschiedenen Stellen liest man, dass alte Apfelsorten verträglicher seien als neue. Diese generelle Klassifizierung ist nach unserer Recherche wissenschaftlich jedoch nicht bestätigt. Beispielsweise hat die Sorte Golden Delicious, die aus dem Jahr 1890 stammt, ein hohes allergenes Potenzial. Allergiker sollten also auch beim Probieren alter Sorten die notwendige Vorsicht walten lassen. Auch in der aktuellen Forschung und Züchtung sind Apfelsorten mit geringem allergenen Potenzial ein Thema. Beispielsweise im EU-Projekt "ISAFRUIT". In einer aktuellen Pressemeldung werden zwei neuere Apfelsorten genannt, mit denen der Markt in den Niederlanden von Oktober bis Juni beliefert werden könnte [9].

Welches sind die Allergene im Apfel?

Welche Faktoren beeinflussen den Allergengehalt?

Wer forscht zum Thema?

Links zum Thema

 

Literaturquellen:

[1] Altmeyer P & Bacharach-Buhles M (2010): Apfelallergie. T78.4 In: Enzyklopädie der Dermatologie, Allergologie, Umweltmedizin. Springer, Berlin Heidelberg (Online-Version, Download am 05.07.2011).

[2] Grafe C (2009): Apfelallergie: Aktueller Wissensstand und Ausblick. Obstbau 12, 618-620.

[3] Matthes A & Schmitz-Eiberger M (2009): Apple (Malus domestica L. Borkh.) allergen Mal d 1: effect of cultivar, cultivation  system and storage conditions. Journal of Agricultural and Food Chemistry 57, 10548-10553.

[4] Nothnagel T & Grafe C (2007): Allergenes Potenzial bei Obst und Gemüse. ForschungsReport 2, 12-14.

[5] Schmitz-Eiberger M & Matthes A (2011): Effect of harvest maturity, duration of storage and shelf life of apples in the allergen Mal d 1, polyphenoloxidase activity and polyphenol content. Food Chemistry 127, 1459-1464.

[6] Vieths S, Schöning B & Jankiewicz A (1993): Occurrence of IgE binding allergens during ripening of apple fruits. Food and Agricultural Immunology 5/2, 93-105.

[7] Vieths S, Jankiewicz A, Schöning B, Aulepp H (1994): Apple allergy: the IgE-binding potency of apple strains is related to the occurrence of the 18-kDa allergen. Allergy 49, 262-271.

[8] Wigotzki M (2001): Einfluss der technologischen Verarbeitung auf das allergene Potiential der birkenpollenassoziierten Lebensmittel Haselnuß, Apfel und Karotte. Doktorarbeit, Universität Hamburg.

[9] WUR (Wageningen University & Research centre) (2011): Elise apples suitable for most people with mild apple allergy. http://www.wur.nl/UK/newsagenda/news/elise130311.htm (Download am 08.06.2011).

Diese Zusammenschau ist das Ergebnis unserer Recherche zum Thema Apfelallergie. Sollten Sie weitere Informationen zur Sortenabhängigkeit der Apfelallergie oder auch Hinweise haben, würden wir uns freuen, wenn Sie mit uns Kontakt aufnehmen.