Erhaltung und nachhaltige Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen

Zahlreiche Samen unterschiedlichester Größen, Formen und Farben
Samenvielfalt, © Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft

Ex-situ-Erhaltung, In-situ-Erhaltung und On-farm-Bewirtschaftung sind sich gegenseitig ergänzende Methoden für die Erhaltung von pflanzengenetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft.

Die Ex-situ-Erhaltung in Deutschland erfolgt in Genbanken und Botanischen Gärten. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurden die Sammlungen der wichtigsten Genbanken bei der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen (BAZ) in Braunschweig sowie beim Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben neu organisiert. Aufgrund der Neuordnung der Ressortforschung im Jahr 2007 wurde die BAZ mit Instituten zweier weiterer Bundesanstalten zum Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI) zusammengeführt.

Derzeit betreut das IPK Ex-situ-Sammlungen an drei Standorten und das JKI Sammlungen von Obst und Reben an zwei Standorten. Das JKI koordiniert auch die Deutsche Genbank Obst, ein Genbanknetzwerk, in welchem derzeit in Teilnetzwerken an zwei Standorten Erdbeeren (Deutsche Genbank Erdbeere) und an sieben Standorten Kirschen (Deutsche Genbank Kirsche) erhalten werden. Daneben existiert noch eine Reihe von Spezial- und weiteren Sammlungen, die vorwiegend von Länder- und Kommunaleinrichtungen unterhalten werden, wozu auch die 95 Botanischen Gärten gehören. Diese erhalten ca. 300.000 Akzessionen von pflanzengenetischen Ressourcen, wovon einige für die Landwirtschaft und den Gartenbau von Bedeutung sind. Während bei der Arbeit in den Botanischen Gärten primär die globale Artenvielfalt für Forschungs- und Ausbildungszwecke im Vordergrund steht, räumen die Genbanken vor allem der innerartlichen Variabilität der Kulturarten Priorität ein.

Die In-situ-Erhaltung wird definiert als die Erhaltung von Ökosystemen und natürlichen Lebensräumen sowie die Bewahrung und Wiederherstellung lebensfähiger Populationen von Arten in ihrer natürlichen Umgebung und - im Fall domestizierter oder gezüchteter Arten - in der Umgebung, in der sie ihre besonderen Eigenschaften entwickelt haben. Traditionell sind Schutz und Erhaltung in situ Schwerpunktaktivitäten des Naturschutzes. Die Arten bleiben in ihren Ökosystemen den dynamischen Prozessen der Evolution ausgesetzt. Natürliche Selektion und die Notwendigkeit einer Anpassung an wechselnde Umwelteinflüsse sind so gewährleistet. Im besonderen Fall der On-farm-Bewirtschaftung entwickeln sich unter dem Einfluss der natürlichen Selektion sowie dem Selektionsdruck durch Landwirte und Gärtner sogenannte Landsorten. Diese bieten weitere Möglichkeiten für eine kontinuierliche Anpassung und Verbesserung der lokalen Nutzpflanzen.