Internationale Zusammenarbeit bei pflanzengenetischen Ressourcen

Deckblatt Broschüre der FAO
Deckblatt Internationaler Vertrag über pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft, © FAO

Europäisches Kooperationsprogramm für pflanzengenetische Ressourcen (ECPGR)

Wichtige Aktivitäten auf europäischer Ebene finden im Rahmen des Europäischen Kooperationsprogramms für pflanzengenetische Ressourcen (European Cooperative Programme for Plant Genetic Resources - ECPGR) statt. Das Programm beruht auf der Zusammenarbeit der meisten europäischen Staaten und ist auf die Erleichterung der langfristigen In-situ- und Ex-situ-Erhaltung auf kooperativer Basis sowie auf die Verbesserung der Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen in Europa ausgerichtet.

Eine wichtige Tätigkeit im Rahmen der ECPGR-Kooperation ist die Umsetzung und Weiterentwicklung des Europäischen Internet-Suchkatalogs zu pflanzengenetischen Ressourcen (European Search Catalogue - EURISCO). EURISCO liefert Informationen über Ex-situ-Genbanksammlungen in ganz Europa. Er umfasst derzeit Passportdaten von mehr als einer Million Muster pflanzlicher Vielfalt, die in ca. 240 europäischen Instituten in 38 Ländern aufbewahrt werden. Die Daten des deutschen Nationalen Inventars PGRDEU werden mehrmals jährlich in EURISCO aktualisiert.
Eine weitere wichtige Aufgabe des ECPGR ist die Realisierung von AEGIS (A European Genebank Integrated System). Dazu wurde im ECPGR von 2004 - 2006 eine Machbarkeitsstudie durchgeführt. Die Studie erfolgte modellhaft in vier fruchtartspezifischen ECPGR-Arbeitsgruppen (Allium, Avena, Brassica und Prunus).

Internationaler Vertrag über pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft

Auf internationaler Ebene trat das wichtigste Abkommen zur Erhaltung und Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft, der Internationale Vertrag über pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft, im Jahr 2004 in Kraft. Deutschland ratifizierte den Internationalen Vertrag im selben Jahr und seine Umsetzung auf nationaler Ebene ist nunmehr weit fortgeschritten.

Für die Umsetzung des Internationalen Vertrags und seines Multilateralen Systems zum Zugang und Vorteilsausgleich wurde in Deutschland ein wichtiger Meilenstein erreicht.

Mit der Etablierung des effizienten, wirkungsvollen und transparenten Multilateralen Systems des Internationalen Vertrags soll sowohl der Zugang zu pflanzengenetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft erleichtert als auch eine ausgewogene und gerechte Aufteilung der sich aus der Nutzung dieser Ressourcen ergebenden Vorteile gewährleistet werden. Dieser erleichterte Zugang und Vorteilsausgleich wird für die Vertragsparteien des Internationalen Vertrages zu einvernehmlich festgelegten Bedingungen (der standardisierten Materialübertragungsvereinbarung - standard material transfer agreement SMTA) gewährt.

Das Nationale Inventar zu pflanzengenetischen Ressourcen PGRDEU, welches vom Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV) der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) geführt wird, ermöglicht erstmals eine gezielte Online-Recherche nach Material, welches aus Deutschland für das Multilaterale System bereitgestellt wird. Das Material für das Multilaterale System wurde durch die Genbank landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kulturpflanzen des Leibniz-Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) sowie durch die Deutsche Genbank Obst (Julius Kühn-Institut) benannt. Beide Einrichtungen stellen mehr als 100.000 Genbankmuster für das Multilaterale System bereit, welches für die Vertragsparteien den Zugang zu genetischen Ressourcen von etwa 35 landwirtschaftlichen Hauptfruchtarten (zum Beispiel Hafer, Gerste und Kartoffeln) und etwa 30 Grünlandarten (zum Beispiel Leguminosen und Futtergräser) erleichtert.