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Insekten: Gewinner oder Verlierer des Klimawandels?

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Die meisten Insekten lieben die Wärme; bei hochsommerlichen Temperaturen sieht man sie jetzt im Garten und auf dem Feld umherschwirren. Profitieren sie deswegen vom Klimawandel? Berichte vom Weltbiodiversitätsrat zeigen jedoch, dass die Vielfalt und Anzahl der Insekten zurückgeht.

Taubenschwänzchen
Beschreibung des Bildelements: Taubenschwänzchen breiten sich wegen der steigenden Temperaturen vom Mittelmeerraum Richtung Norden aus (© Gregory_DUBUS - E+ via Getty Images)

Insekten sind die artenreichste Tierklasse. Sie leben in allen klimatischen Zonen der Erde, sogar im Eis. Tatsächlich gibt es aber mehr Insekten in wärmeren als in kühleren Regionen.

Wärme- und kälteliebende Insektenarten

Einzelne Insekten profitieren durchaus von steigenden Temperaturen. Wärmeliebende Arten wie die Gottesanbeterin, bestimmte Wespenarten, Schmetterlinge wie der Admiral oder das Taubenschwänzchen, breiten sich in letzter Zeit vom Mittelmeerraum Richtung Norden aus und fühlen sich nun auch hier wohl. Anpassungsfähige Insekten wie die Holzbiene, die größte heimische Wildbienenart, und Generalisten kommen auch mit den höheren Temperaturen gut zurecht. Für Insekten, die kühle und feuchte Umgebungen bevorzugen, wird es jedoch schwieriger. Bislang heimische Arten könnten in den nächsten Jahrzehnten verschwinden. Beispiele dafür sind der Hochmoorgelbling oder der Natterwurz-Perlmutterfalter. Tiere und Pflanzen wandern in neue Gebiete und treten dort zu einheimischen Arten in Konkurrenz. Welche Auswirkungen diese Bewegungen für den Pflanzenschutz künftig haben werden, ist noch nicht hinreichend untersucht.

Komplexe Wechselbeziehungen im Ökosystem

Auch die Blühzeitpunkte der Pflanzen hängen von der Temperatur ab. Die Lebenszyklen von Insekten und blühenden Pflanzen haben sich über sehr lange Zeiträume aufeinander eingespielt, weil sie aufeinander angewiesen sind. Eine Studie der Universität Würzburg zeigte anhand von Mauerbienen und Küchenschellen, dass sich Blühzeitpunkte und Schlupfzeiten durch steigende Temperaturen nicht in gleichem Maße verschieben, sodass die feine Abstimmung nicht mehr funktioniert. Im Versuch verursachte die abnehmende Passung eine verringerte Aktivität und Fortpflanzung bei den Insekten.
In Ökosystemen existieren komplizierte Wechselbeziehungen verschiedener Tier- und Pflanzenarten. Veränderungen können dieses Gleichgewicht stören und Nahrungsketten unterbrechen. Laut Weltklimarat gibt es zwar kurzfristige soziale und wirtschaftliche Vorteile für Einzelne und kleine Gewinne in begrenzten Gebieten. Extreme Wetterereignisse, die ebenfalls gehäuft auftreten werden, verändern die Lebensbedingungen und schaden damit allen. Langfristig wird der Klimawandel nur Verlierer kennen, weil die Lebensgrundlage für alle schwindet.


Weitere Informationen:Universität Würzburg: Insekten im Klimawandel
Forschungsinformationssystem Agrar und Ernährung (FISA):Wandelt Klima Arten? Zur Adaptabilität von Bestäubern im alpinen Raum (ADAPT)