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Erhaltung der biologischen Vielfalt – gemeinsam statt einsam

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Fallstudien von Norwegen bis zum Libanon zeigen, wie genetische Ressourcen von Nutztierrassen, landwirtschaftlichen Pflanzen und Bäumen koexistieren und in einem integrierten Ansatz erhalten werden können.

Aurland in Norwegen
Quelle: E. Myking

Ein wichtiger Meilenstein im EU-Projekt GenRes Bridge ist mit der Fertigstellung des Berichts zur Erhaltung genetischer Ressourcen auf Landschaftsebene erreicht worden. Hierzu wurden fünf Standorte als Fallstudien ausgewählt und untersucht, um die Sinnhaftigkeit einer gemeinsamen Erhaltung von pflanzen-, tier- und forstgenetischen Ressourcen aufzuzeigen. Der Bericht lenkt die Aufmerksamkeit auf die biologische Vielfalt in Europa und schärft das Bewusstsein nicht nur für den wirtschaftlichen Wert von genetischen Ressourcen, sondern auch für deren Bedeutung für unsere Ernährungssicherheit und Ökosystemleistungen.

"Die sektor-übergreifende Erhaltung genetischer Ressourcen steckt noch in den Kinderschuhen", sagt Tor Myking vom Norwegischen Institut für Bioökonomie. "Ein integrierter Ansatz wird dazu beitragen, eine widerstandsfähigere landwirtschaftliche Produktionslandschaft aufzubauen, verglichen zu der Erhaltung eines einzelnen Sektors"

Vorstellung der Fallstudien

Die für die Fallstudien ausgewählten Standorte decken drei große Gebiete ab. Aurland, in Norwegen, ein nördlicher Außenposten mit einer überraschenden genetischen Vielfalt. Das Naturreservat Ehden im Libanon, weil es innerhalb des Fruchtbaren Halbmonds liegt, dem Zentrum des Ursprungs vieler Kulturpflanzen und Nutztiere. Und zuletzt die Alpen, die als glaziales Refugium eine beträchtliche genetische Vielfalt aufweisen und durch drei Gebiete auf einer Ost-West-Achse abgedeckt werden (Triglav-Nationalpark in Slowenien, Naturpark Paneveggio Pale San Martino in Italien und Mont Ventoux in Frankreich).

Alle fünf Standorte haben gemischte Produktionssysteme gemeinsam, die Pflanzen, Tiere und Bäume in einer variablen Topographie nutzen, mit produktiven Tieflandgebieten und eher marginalen Bergweiden. Sie sind anfällig für Außeneinwirkungen und weisen eine jüngere Geschichte auf, die den Raubbau an natürlichen Ressourcen beinhaltet. Die abnehmende Abhängigkeit von traditionellen Anbaumethoden, oft eine Folge von Bevölkerungsrückgang und -abwanderung, spielt ebenfalls eine Rolle für die Bedrohung der Vielfalt von Nutzpflanzen und Viehbestände. Obwohl alle Standorte aus landwirtschaftlicher Sicht nicht sehr produktiv sind, beherbergen sie alle lokal angepasste Nutztierrassen, Getreidesorten und Waldbestände, die erhalten und somit genutzt werden sollten, da sie für zukünftige Anpassungen wichtig sind. Zudem sind diese Landschaften auch für die Erhaltung von Populationen einer Vielzahl von Vögeln, Insekten und Pilzen lebenswichtig.

Bedeutung und Einordnung der Fallstudien

Die Fallstudien zeigen einen Weg für die einheitliche Erhaltung von pflanzen-, tier- und forstgenetischen Ressourcen, bei denen auf ein Gleichgewicht zwischen Produktion und Erhaltung geachtet wird. Der Bericht empfiehlt, dass integriertes Erhaltungsmanagement in hochrangigen Strategien und Richtlinien verankert werden sollte, wie z. B. dem “Green Deal“ der Europäischen Kommission. Diese Verpflichtungen auf höchster Ebene sind wichtig, um den notwendigen politischen Impuls zu geben. Gleichzeitig sollten die nationalen Behörden mit sachkundigen lokalen Interessenvertretern zusammenarbeiten, um deren Ideen zu nutzen. Um Doppelarbeit zu vermeiden, könnte die integrierte Erhaltung genetischer Ressourcen idealerweise in bereits ausgewiesene Gebiete, wie die von Natura-2000, stattfinden. Diese heterogenen Landschaften würden in ein europäisches Netzwerk aufgenommen werden und speziell als genetisch vielfältige Landschaften ausgewiesen werden.

Das EU-Projekt GenRes Bridge hat das übergeordnete Ziel die Erhaltung und nachhaltige Nutzung genetischer Ressourcen in den Bereichen Pflanzen, Tiere und Wälder in Europa zu stärken. Eine der wichtigsten Aufgaben hierfür ist die Entwicklung einer übergreifenden europäischen Strategie, die zukünftige Leitlinien zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung von genetischen Ressourcen für die Ernährung und Landwirtschaft aufzeigen wird. An dieser Stelle fließen die Erkenntnisse aus den Fallstudien als innovative Ansätze in die Handlungsempfehlungen der Strategie ein. Geleitet wird das Arbeitspaket zur Strategieentwicklung vom IBV, das auf globaler, europäischer und nationaler Ebene aktiv.