Der Atlantische Lachs war früher eine charakteristische Fischart des Rheins, verschwand aber in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vollständig aus dem Rheinsystem. Seit den 1980er Jahren wird er im Rhein wieder angesiedelt. Doch bislang war nur schwer zu erkennen, welche Besatzmaßnahmen tatsächlich zum Erfolg beitragen. Im Projekt GeMoLaR (Genetisches Monitoring zur Wiederansiedlung des Atlantischen Lachses im Rheingebiet) wurden deshalb mehr als 15.500 Lachsproben genetisch untersucht – von Elterntieren in den Zuchten über Junglachse bis hin zu erwachsenen Rückkehrern.
Genetischer Fingerabdruck macht Besatzmaßnahmen nachvollziehbar
Zusammen mit Referenzdaten unter anderem aus Frankreich und der Schweiz konnte erstmals eine großräumige Untersuchung durchgeführt werden, die klärt, welche genetischen Herkünfte zum Lachsbestand im Rhein beitragen, wie sich die genetische Vielfalt entwickelt und welchen Beitrag verschiedene Besatzmaßnahmen leisten. Gleichzeitig zeigte sich, dass die natürliche Vermehrung bislang nur in geringem Umfang stattfindet und eine Herausforderung bleibt. Deshalb muss die Wiederherstellung geeigneter Laich- und Jungfischhabitate in den Lachswiederansiedlungsgebieten weiter vorangetrieben werden. Neben der Verbesserung der Reproduktionsbedingungen in den Nebengewässern und der Optimierung des Besatzmanagements müssen auch den Ursachen des in den letzten Jahren beobachteten Rückgangs der Rückkehrerzahlen entgegengewirkt werden. Hierzu zählen insbesondere die Auswirkungen des Klimawandels mit zunehmenden Niedrigwasserereignissen, ein steigender Prädationsdruck sowie weiterhin bestehende Defizite bei der ökologischen Durchgängigkeit und Gewässerentwicklung. Langfristig wird der Erfolg des Rheinlachsprogramms davon abhängen, ob diese Belastungsfaktoren reduziert werden können, wodurch sich sowohl die Zahl der Rückkehrer als auch die natürliche Reproduktion nachhaltig erhöhen würden.
Ein wichtiges Ergebnis des Projekts ist neben dem aufgebauten genetischen Referenzdatensatz ein praxisorientierter Leitfaden. Er zeigt, wie genetisches Monitoring, Probenahme, Datenhaltung und Besatzplanung künftig besser aufeinander abgestimmt werden können. Die Erfahrungen aus GeMoLaR sind auch über den Rhein hinaus nutzbar. Der Ansatz wurde exemplarisch im Elbeeinzugsgebiet angewandt und ist grundsätzlich auf weitere Wanderfischarten und Wiederansiedlungsprogramme übertragbar. Damit liefert das Projekt ein Modell dafür, wie genetische Informationen künftig stärker für die Erhaltung aquatischer genetischer Ressourcen genutzt werden können. Hier können Sie den Abschlussbericht herunterladen.
GeMoLaR zeigt, wie Forschung konkrete Grundlagen für die Bewirtschaftung von Fischbeständen liefern kann. Die Ergebnisse helfen dabei, Besatzmaßnahmen gezielter an die Bedingungen der jeweiligen Gewässer anzupassen und vorhandene Ressourcen effizient einzusetzen. Für die langfristige Wiederansiedlung des Lachses sind ein verlässliches Monitoring und ein Management, das auf neue Entwicklungen reagieren kann, entscheidend.
Hintergrund:
Das Projekt „Genetisches Monitoring zur Wiederansiedlung des Atlantischen Lachses im Rheingebiet (GeMoLaR)“ lief von Juli 2020 bis April 2026 an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU). Die Förderung als “Modell- und Demonstrationsvorhaben im Bereich der Erhaltung und innovativen Nutzung der Biologischen Vielfalt (MuD)” erfolgte aus Mitteln des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH). Ziel der Förderung von Modell- und Demonstrationsvorhaben ist es, Wege zum Abbau bestehender Defizite und Probleme bei der Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der Agrobiodiversität beispielhaft aufzuzeigen und innovative Konzepte mit Vorbildcharakter zu entwickeln und umzusetzen.