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Vielfalt, die es zu bewahren gilt – ein Blick auf unsere einheimischen Kaninchenrassen

Von Hermelin bis Deutscher Riese: Unsere einheimischen Kaninchenrassen sind vielfältig und wertvoll für Kultur und Landwirtschaft – aber leider vom Aussterben bedroht.

Quelle von links oben nach rechts unten: Angora Kaninchen, Hermelin, Englische Schnecke und Marderkaninchen, ZDRK und Wolfgang Elias (ZDRK).

Mit dem Osterfest kommt vielen der Hase in den Sinn – als Symbol für Fruchtbarkeit und neues Leben. Wir möchten den Anlass aber nutzen, um den Fokus auf seine domestizierten Verwandten zu legen: unsere einheimischen Kaninchenrassen, deren Geschichte und Vielfalt ein bedeutendes Kulturerbe darstellen. Denn Sie gehören zu den wertvollen tiergenetischen Ressourcen Deutschlands.

In Deutschland gibt es insgesamt 30 einheimische Kaninchenrassen, die vor 1949 auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland entstanden oder dort nachweislich gezüchtet wurden. Diese Rassen hatten historisch einen wichtigen landwirtschaftlichen Nutzen: Kaninchen boten eine wertvolle Fleischversorgung für Haushalte und ließen sich einfach in Gärten oder auf Höfen halten. So entwickelte sich über Generationen eine lange Tradition der Kaninchenhaltung für die Eigenversorgung, die bis heute Bestand hat.

Die Vielfalt dieser Rassen ist beeindruckend: Sie reicht von kleinen Rassen wie dem Hermelin-Kaninchen, das ca. 1–1,35 kg wiegt, bis zu den Deutschen Riesen, die zwischen 7 und 11,5 kg auf die Waage bringen. Kaninchen werden für die Produktion von Fleisch, Fellen und im Fall der Angora-Kaninchen auch für Wolle gehalten. Jede Rasse hat spezifische Eigenschaften und trägt zur genetischen Vielfalt bei – dies ist von zentraler Bedeutung für die Zucht, Anpassung und nachhaltige Nutzung.

Die Gefährdungslage ist jedoch ernst: Neun Kaninchenrassen sind bedroht, vier davon gelten als extrem gefährdet: Angora-Kaninchen, Englische Widder, Fuchskaninchen und Marderkaninchen. Ein Rückgang dieser Rassen bedeutet nicht nur den Verlust genetischer Vielfalt, sondern auch das Schwinden eines lebendigen Kulturguts, das eng mit der Geschichte der heimischen Ernährung und Landwirtschaft verbunden ist.

Einige Bundesländer fördern bereits gezielt die Zucht gefährdeter Rassen: Schleswig-Holstein unterstützt die Marderkaninchen, Sachsen die Angora-Kaninchen. Erfahrungen aus dem Bereich der Großtiere (Rinder, Schweine, Pferde, Ziegen und Schafe) zeigen, dass gezielte Fördermaßnahmen positive Effekte auf die Bestandsentwicklung haben können. 

Weitere Informationen zu der einheimischen Kaninchenrassenvielfalt und der Gefährdungsbeurteilung der einzelnen Rassen finden Sie in unserer Broschüre „Einheimische Nutztierrassen in Deutschland und Rote Liste gefährdeter Nutztierrassen 2025".