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Nächste Schritte für die internationale Zusammenarbeit zur genetischen Vielfalt

Ergebnisse der Verhandlungen der FAO-Kommission für genetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft. So geht es für die Biodiversität in der Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei auf globaler Ebene weiter.

Quelle: IISD/ENB, Mike Muzurakis

Die am wenigsten hitzige Biodiversitätssitzung seit langem

Dieses erfreuliche Resümee ist eines von mehreren der diesjährigen 19. CGRFA Sitzung in Rom. Eine ebenfalls willkommene Abwechslung stellte der Vorsitz der Namibianerin Deidré Januarie dar, die die erste weibliche CGRFA-Vorsitzende seit dem 40-jährigen Bestehen der Kommission ist und einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg der 19. Sitzung geleistet hat.

Insgesamt nahmen mehr als 250 Teilnehmende an der Sitzung teil, darunter Mitglieder aus allen FAO-Regionen, d.h. Europa, Asien, Lateinamerika und der Karibik, Nordamerika, Afrika, dem Südwestpazifik und dem Nahen Osten, sowie einige Sekretariate von Umweltabkommen und weitere Akteure.

Anknüpfungspunkte schaffen

Der 19. Sitzung ging eine Feier anlässlich des 40. jährigen Jubiläums der CGRFA voraus, die den Rahmen für die Verhandlungen gesetzt hat. Unter anderem wurden dabei mögliche Ansatzpunkte und Schnittmengen herausgestellt, die es zwischen dem Globalen Biodiversitätsrahmen (GBF) des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) und der Arbeit der FAO im Bereich Biodiversität für Ernährung und Landwirtschaft gibt.

Der GBF gilt als Kompass für die internationale Arbeit zur biologischen Vielfalt und wurde 7 Monate vor der Sitzung in Kunming und Montreal verabschiedet. Seine Implementierung hat Auswirkungen auf die zukünftige Arbeit der Kommission zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung von genetischen Ressourcen.

Ergebnisse der Sitzung

Schon seit längerer Zeit wagt sich die CGRFA in neue Gewässer, in dem sie die Arbeit mit genetischen Ressourcen von Mikroorganismen und wirbellosen Tieren (MIGR), einschließlich Bestäubern und biologischen Bekämpfungsmitteln aufgreift. Diese wird künftig intensiviert, durch die Einrichtung einer neuen Arbeitsgruppe (ITWG MIGR). Damit fand die langanhaltende Debatte, zur möglichen Erweiterung der Arbeit der CGRFA, ein positives Ende.

Des Weiteren einigte man sich auf die Etablierung einer zusätzlichen Expertengruppe, die sich übergreifend mit Biodiversität für Ernährung und Landwirtschaft beschäftigt, um die Lücken der Arbeit der Kommission zu schließen. Dafür sollen wichtige Synergien bei der Umsetzung des Globalen Biodiversitätsrahmen der CBD zusammen mit dem Aktionsplan zur biologischen Vielfalt für Ernährung und Landwirtschaft der Kommission (FA BFA) identifiziert werden.

Auch bei der Behandlung der Querschnittsthemen machte die Kommission Fortschritte. Beispielsweise beim Zugang und dem gerechten Vorteilsausgleich von genetischen Ressourcen gab die Kommission grünes Licht für die Versendung eines Fragebogens, der Aufschluss über die Auswirkungen von nationalen ABS-Regelungen gibt. Dieser soll an Nutzende von genetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft als auch an Länder mit ABS Bestimmungen versendet werden.

Die Erkenntnisse einer neu vorgestellten Studie zu Digitalen Sequenzinformationen (DSI) in Land-, Forst-, Fischerei- und Ernährungswirtschaft, sollen zukünftig mit in den CBD-Verhandlungsprozess zur Entwicklung eines DSI-Benefit-Sharing-Systems eingespeist werden.

Für die einzelnen Sektoren der genetischen Ressourcen sind besonders die bevorstehende Finalisierung des zweiten und dritten Weltzustandsberichtes für pflanzen- und forstgenetische Ressourcen zu erwähnen sowie den bevorstehenden Start der Berichterstattung für den 3. Weltzustandsbericht für tiergenetischen Ressourcen. Für Ende des Jahres ist ebenfalls die Fertigstellung des Informationssystems AquaGRIS angestrebt, das bislang als Testversion geprüft wurde. Künftig sollen damit wichtige Informationen über aquatische genetische Ressourcen wie etwa gezüchtete Arten und Bestände bereitgestellt werden.

Das Schiff in Bewegung halten

Mit dieser Metapher übergab die Namibianerin Deidré Januarie an den neuen Vorsitzenden Benoît Girard und bedankte sich für die wertvollen Erfahrungen und Erinnerungen. Im Nachgang zur Sitzung wird das Bureau über die Besetzung der neuen Expertengruppe für Biodiversität für Ernährung und Landwirtschaft entscheiden. Zum Durchatmen bleibt wenig Zeit, da es im kommenden Jahr direkt mit der Vorbereitung der Arbeitsgruppentreffen weitergeht. Den Anfang macht die ITWG für aquatisch genetische Ressourcen im September 2024. In 2025 wird die Hitze Roms umgangen, da die 20. Kommissionssitzung für den 24. bis 28. März angesetzt ist.

Hintergrund

Die Kommission für genetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft (CGRFA) ist bei der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Rom angesiedelt. Sie ist das einzige ständige zwischenstaatliche Gremium, das sich mit der Erhaltung aller Arten von biologischer Vielfalt für Ernährung und Landwirtschaft befasst. Das umfasst neben Nutztieren, Nutzpflanzen, genutzten Baumarten, aquatischen Lebewesen, Mikroorganismen und Wirbellose auch die Vielfalt aller nicht domestizierten Arten, die die Produktion ermöglichen – zum Beispiel Bestäuber oder Bodenorganismen.

Alle zwei Jahre treffen sich die circa 180 Mitgliedsstaaten zur Plenumssitzung, um die weltweiten Aktivitäten zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der Biodiversität und genetischer Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft abzustimmen. Die wichtigsten Errungenschaften der Kommission sind globale Standards bei der Berichterstattung zu den oben genannten genetischen Ressourcen. Dies erlaubt einen weltweiten Überblick über den Zustand der Erhaltung und nachhaltigen Nutzung genetischer Ressourcen in Landwirtschaft und Ernährung. Die Zustandsberichte der einzelnen Länder werden zu den so genannten Weltzustandsberichten zusammengefasst und bilden die Grundlage für globale Aktionspläne zur Verbesserung der genetischen Ressourcen.