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Worum es geht

Aquatische Genetische Ressourcen - Worum es geht

Tausende von Tier- und Pflanzenarten und ihre genetische Variabilit√§t bilden das Netz des Lebens und stellen die Basis f√ľr die Ern√§hrung einer stetig wachsenden Weltbev√∂lkerung dar. Die Biodiversit√§t geh√∂rt somit f√ľr den Ern√§hrungs- und Landwirtschaftssektor zu den grundlegendsten Ressourcen √ľberhaupt.

Im Bereich der Fischerei und der Aquakultur bilden die Aquatischen Genetischen Ressourcen (AqGR) die Grundlage der Produktion. Sie erm√∂glichen es den aquatischen Organismen, sich zu vermehren und zu wachsen, sich an nat√ľrliche und vom Menschen verursachte Einfl√ľsse wie den Klimawandel anzupassen, Krankheiten und Parasiten zu widerstehen und sich weiter zu entwickeln. Die Vielfalt der aquatischen genetischen Ressourcen bestimmt die Anpassungsf√§higkeit und Widerstandsf√§higkeit der Arten an sich ver√§ndernde Umgebungen und tr√§gt zu der gro√üen Vielfalt an Formen, Farben und anderen Merkmalen bei.

Die aquatischen genetischen Ressourcen (AqGR) umfassen in diesem Zusammenhang alle wasserlebenden Arten, sowie deren DNA, Gene, Chromosomen, Gewebe, Gameten und andere fr√ľhe Lebensstadien als auch Individuen und Best√§nde von Organismen mit tats√§chlichem oder potenziellem Wert, welche f√ľr die Ern√§hrung und das Wohlergehen des Menschen relevant sind.

Besonders Fische, aber auch Krebse, Muscheln und andere Meeresfr√ľchte geh√∂ren weltweit zu den wichtigsten Proteinlieferanten der menschlichen Ern√§hrung. Gleichzeitig sind sie als Grundlage der Fischwirtschaft von erheblicher sozio√∂konomischer Bedeutung. Insbesondere die lokale Fischerei und die angegliederten Produktionszweige sichern weltweit gro√üen Teilen der K√ľstenbev√∂lkerung ihr Einkommen.

Weltweit gibt es in den unterschiedlichsten Meeres-, S√ľ√üwasser- und Brackwasserhabitaten mehr als 31.000 Fischarten, 85.000 Weichtierarten, 47.000 Krustentierarten und 13.000 Arten von Meeresalgen. Neben dieser bedeutenden Artenvielfalt, welche die aquatischen Lebensr√§ume besiedelt, gibt es aber auch noch eine gro√üe genetische Vielfalt innerhalb dieser Arten. Schon kleine Unterschiede in den Lebensr√§umen k√∂nnen genetische Anpassungen hervorrufen, die zu der Bildung von genetisch unterscheidbaren Populationen innerhalb einer Art f√ľhren. Entscheidend f√ľr ein nachhaltiges fischereiliches Management ist deshalb ein fundiertes Wissen √ľber die Bestandsstruktur einzelner Arten. Nur wenn die genetische Vielfalt innerhalb einer Art bekannt ist, kann sie auch gezielt bewahrt werden.

Die Vielfalt der AqGR stellt sicher, dass die Bed√ľrfnisse sp√§terer Generationen an die Versorgung mit Fisch und Meeresfr√ľchten, auch unter sich ver√§ndernden Umweltbedingungen, sichergestellt werden kann. Die genetische Vielfalt ist daher die Grundlage einer nachhaltigen, leistungsf√§higen, betriebssicheren und multifunktionalen Fischwirtschaft. Die genetische Variabilit√§t der in Aquakultur gez√ľchteten Arten, ist die Voraussetzung f√ľr den Zuchtfortschritt und eine nachhaltige Fischzucht.

Um den Schatz an AqGR weiterhin nutzen und ausbauen zu k√∂nnen, m√ľssen die nat√ľrlichen aquatischen √Ėkosysteme als Grundlage der aquatischen Vielfalt erhalten bleiben. Neben dem Schutz und der Erhaltung der Arten, muss auch die innerartliche Vielfalt auf Populationsebene bewahrt werden, um einen Verlust an genetischer Vielfalt zu vermeiden.

W√§hrend die Fangfischerei an die Grenzen ihrer biologischen Produktivit√§t st√∂√üt, spielt die Aquakultur eine immer wichtigere Rolle um den Bedarf an Fisch und Fischprodukten einer st√§ndig wachsenden Weltbev√∂lkerung zu decken. Heute werden mehr aquatische Arten in der Aquakultur gez√ľchtet als jemals zuvor. W√§hrend 1950 noch 72 Arten in der Aquakultur produziert wurden, waren es 2013 laut FAO bereits 575 Arten. Nur ein geringer Teil dieser Arten kann bislang als domestiziert gelten, d.h. die in Aquakultur gehaltenen Fischarten lassen sich in vielen F√§llen kaum von ihren in der freien Natur vorkommenden Ursprungsarten unterscheiden. Durch die gezielte Entwicklung domestizierter und leistungsf√§higer Zuchtlinien besteht in Zukunft die M√∂glichkeit, ressourcenschonender den Anteil der Aquakultur an der Ern√§hrung einer wachsenden Weltbev√∂lkerung auf nachhaltige Weise zu erh√∂hen.