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Internationale Zusammenarbeit Fische und andere Wassertiere

Die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der aquatischen genetischen Ressourcen wird von einer intensiven internationalen Zusammenarbeit geprägt, an der sich Deutschland maßgeblich beteiligt.

Internationale Zusammenarbeit

Fischteich im Kajjansi Aquaculture Research and Development Centre in Uganda
(Quelle: BLE)

Die Erhaltung und nachhaltige Nutzung aquatischer genetischer Ressourcen (AqGR) ist durch eine intensive internationale Zusammenarbeit geprägt, an der Deutschland maßgeblich beteiligt ist.

Zusammenarbeit mit der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen

Die Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) und insbesondere ihre Commission on Genetic Resources for Food and Agriculture (CGRFA) spielen eine zentrale Rolle bei der internationalen Zusammenarbeit zur Erhaltung, nachhaltigen Nutzung und Entwicklung genetischer Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft. Aquatische genetische Ressourcen (AqGR) bilden dabei seit mehreren Jahren einen eigenständigen Schwerpunkt. Ziel der Arbeiten ist es, die Wissens- und Informationsgrundlage zu AqGR zu verbessern, ihre Bedeutung für Ernährungssicherung, Aquakultur und Fischerei stärker sichtbar zu machen und internationale Rahmenbedingungen für ihre nachhaltige Nutzung und Erhaltung zu entwickeln. 

Ein wesentliches Element dieser Arbeit ist die Intergovernmental Technical Working Group on Aquatic Genetic Resources for Food and Agriculture (ITWG-AqGR). Die Arbeitsgruppe wurde 2015 zunächst als Ad-hoc-Arbeitsgruppe eingerichtet, um die Erstellung des ersten globalen Berichts über den Zustand der aquatischen genetischen Ressourcen fachlich zu begleiten. Seit 2019 ist sie eine reguläre zwischenstaatliche technische Arbeitsgruppe der CGRFA. Sie überprüft die Situation und die wesentlichen Fragestellungen im Bereich der AqGR, berät die Kommission und formuliert Empfehlungen, begleitet die Umsetzung des Arbeitsprogramms der CGRFA und berichtet der Kommission über ihre Tätigkeit. Die Arbeitsgruppe tritt grundsätzlich alle zwei Jahre zusammen und bildet damit ein wichtiges Forum für den internationalen fachlichen und politischen Austausch.

Deutschland hat die Entwicklung dieses Arbeitsbereichs innerhalb der CGRFA in den vergangenen 10 bis 15 Jahren maßgeblich mitgestaltet und unterstützt. Deutschland war an allen bisherigen Sitzungen der ITWG-AqGR beteiligt und hat insbesondere die Entwicklung der internationalen Informations- und Wissensgrundlagen sowie die Erarbeitung gemeinsamer fachlicher und politischer Instrumente unterstützt. Eine besondere Bedeutung hatte dabei die Unterstützung des ersten State of the World’s Aquatic Genetic Resources for Food and Agriculture (SoW-AqGR), der 2019 veröffentlicht wurde. Der Bericht stellte die erste globale Bestandsaufnahme der AqGR dar und beruhte auf Länderberichten aus 92 Staaten, die zusammen 96 Prozent der weltweiten Aquakulturproduktion abdeckten. Er schuf damit erstmals eine gemeinsame globale Wissensbasis und einheitliche Terminologie für die weitere internationale Zusammenarbeit. 

Aufbauend auf den Ergebnissen des Weltzustandsberichts wurde der Global Plan of Action for the Conservation, Sustainable Use and Development of Aquatic Genetic Resources for Food and Agriculture (GPA-AqGR) entwickelt und 2021 von der CGRFA gebilligt. Der Globale Aktionsplan bildet heute einen wichtigen internationalen Rahmen für Maßnahmen zur Verbesserung der Erhaltung, nachhaltigen Nutzung und Entwicklung aquatischer genetischer Ressourcen.

Deutschland hat darüber hinaus die Entwicklung des Aquatic Genetic Resources Information System (AquaGRIS) maßgeblich finanziell und fachlich unterstützt. Das von der FAO entwickelte globale Informationssystem wurde 2024 als öffentlich zugängliche Datenbank gestartet und ermöglicht die standardisierte Erfassung und Auswertung von Informationen zu aquatischen genetischen Ressourcen, insbesondere zu bewirtschafteten bzw. gezüchteten aquatischen Arten und ihren wildlebenden Verwandten. AquaGRIS soll damit die Informationsgrundlage für die nationale und internationale Beobachtung und Bewertung des Zustands der AqGR verbessern und künftig auch als wichtige Grundlage für weitere globale Bewertungen dienen. 

Deutschland beteiligt sich sowohl an der fachlichen Arbeit der CGRFA und ihrer Arbeitsgruppe zu AqGR als auch an der Entwicklung und Umsetzung internationaler Instrumente. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) unterstützt diese internationale Zusammenarbeit finanziell und fachlich; das Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV) der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) begleitet die Arbeiten auf nationaler Ebene und unterstützt die deutsche Beteiligung an den internationalen Prozessen.

Zusammenarbeit mit der North Atlantic Salmon Conservation Organization

Das Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV) nimmt als nationale Kontaktstelle die deutschen Berichtspflichten gegenüber der North Atlantic Salmon Conservation Organization (NASCO) wahr und unterstützt das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) bei der Vertretung der deutschen Interessen im Rahmen der EU-Mitgliedschaft in der NASCO. 

Die 1983 gegründete NASCO ist eine zwischenstaatliche Organisation, die sich der Erhaltung, Wiederherstellung und Förderung der Wildbestände des Atlantischen Lachses (Salmo salar) im Nordatlantik widmet. Sie bringt die Vertragsparteien – Kanada, Dänemark für die Färöer und Grönland, die Europäische Union, Island, Norwegen, die Russische Föderation, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten – zusammen, um den Schutz der Art und ein nachhaltiges, wissenschaftsbasiertes Management ihrer Bestände international abzustimmen. Grundlage der Zusammenarbeit sind ein vorsorgeorientierter Ansatz sowie gemeinsam beschlossene Resolutionen, Vereinbarungen und Leitlinien. 

Ursprünglich lag der Schwerpunkt der NASCO insbesondere auf der Regulierung der internationalen Lachsfischerei auf hoher See. Inzwischen verfolgt die Organisation einen umfassenderen Ansatz, der drei zentrale Handlungsfelder umfasst: das Management der Lachsfischerei, den Schutz und die Wiederherstellung von Lebensräumen sowie die Auswirkungen von Aquakultur, Besatz, Einführungen und Transfers und transgenen Aktivitäten auf Wildlachspopulationen. Wissenschaftliche Erkenntnisse und der Austausch von Daten und Erfahrungen zwischen den Vertragsparteien bilden dabei eine wichtige Grundlage für die Entwicklung und Umsetzung von Schutz- und Managementmaßnahmen. 

Mit der Verabschiedung ihrer Zehnjahresstrategie im Jahr 2024 hat die NASCO den Schwerpunkt auf konkrete und messbare Maßnahmen verstärkt, um den Belastungen entgegenzuwirken, denen die Bestände des Atlantischen Lachses ausgesetzt sind. Das Ziel besteht darin, den Rückgang der Wildlachsbestände zu verlangsamen und gleichzeitig zu demonstrieren, dass eine Erholung dieser Bestände möglich ist. Ein zentraler Bestandteil dieser Strategie ist der vierte Berichtszyklus, der von 2026 bis 2032 läuft.

Eine wichtige Grundlage hierfür bilden die Stressoren-Analysen, die von den Vertragsparteien und Jurisdiktionen im Vorfeld des vierten Berichtszyklus durchgeführt wurden. Dabei wurden die wesentlichen Belastungsfaktoren („Stressoren“) für die Wildlachspopulationen auf nationaler Ebene analysiert und hinsichtlich ihrer Bedeutung priorisiert. Für Deutschland wurde die entsprechende Stressoren Analyse ebenfalls im Rahmen der Kooperation mit der NASCO 2025 vorgelegt. 

Auf dieser Grundlage werden im vierten Berichtszyklus erstmals Conservation Commitment Reports (CCR) erstellt. Jede Vertragspartei bzw. Jurisdiktion legt darin für ihre drei am höchsten priorisierten Stressoren konkrete Maßnahmen fest. Für jeden dieser Stressoren sind ein bis drei Maßnahmen mit klar definierten, messbaren Ergebnissen vorgesehen. Die Umsetzung und die erzielten Fortschritte werden anschließend regelmäßig berichtet und überprüft. Ergänzend werden jährlich themenbezogene Performance Indicators erhoben, mit denen die Fortschritte bei der Umsetzung der NASCO-Resolutionen, -Vereinbarungen und -Leitlinien nachvollziehbar gemacht werden. Damit verbindet der vierte Berichtszyklus die Analyse der wesentlichen Gefährdungen mit konkreten nationalen Maßnahmen und überprüfbaren Ergebnissen. 

Die NASCO war auch die Hauptinitiatorin des Internationalen Jahr des Lachses, einer mehrjährigen Initiative die ihren Schwerpunkt im Jahr 2019 hatte.

Deutschland beteiligt sich an diesem Prozess im Rahmen der EU-Mitgliedschaft in der NASCO. Das IBV unterstützt dabei insbesondere die Erfüllung der deutschen Berichtspflichten und die fachliche Begleitung der internationalen Zusammenarbeit zur Erhaltung der aquatischen genetischen Ressourcen.

 

Kontakt

+49 (0)228 / 6845 - 3246

Clemens Fieseler

Bundesanstalt für Landwirtschaft
und Ernährung
Referat 331
Deichmanns Aue 29
53179 Bonn

E-Mail