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Internationales

Internationaler Vertrag √ľber pflanzengenetische Ressourcen

Der Internationale Vertrag √ľber pflanzengenetische Ressourcen f√ľr Ern√§hrung und Landwirtschaft

Kurzbericht November 2019: 8. Sitzung des Verwaltungsrats (GB 8) und 15-jähriges Inkrafttreten des Vertrages

Am 9.11.2019 wurde in Rom, 2 Tage vor Beginn des GB 8, das 15-j√§hrige Inkrafttreten des Vertrages gefeiert. Er ist der wichtigste internationale Vertrag, dessen Hauptzweck darin besteht, die Grundlage der weltweiten Nutpflanzenkulturen zu erhalten. Besonders hervorgehoben wurde der multilaterale Gedanke und Ansatz, der dem Vertrag zugrunde liegt, und heute wichtiger denn je ist. In den 15 Jahren seit seinem Inkrafttreten hat der Vertrag das Multilaterale System f√ľr den Zugang und die Aufteilung der Vorteile eingef√ľhrt, dass derzeit der weltweit gr√∂√üte Genpool f√ľr den Austausch von Nutzpflanzen f√ľr Ern√§hrung und Landwirtschaft ist.

Die 8. Sitzung des Verwaltungsrats (GB 8) fand vom 11.-16. November 2019 statt und hatte eine Reihe von politischen und technischen Themen auf der Agenda.

Dazu geh√∂rte insbesondere ein umfangreiches Ma√ünahmenpaket zur Verbesserung des Multilateralen Systems zum Zugang und gerechten Vorteilsausgleich bei pflanzengenetischen Ressourcen f√ľr Ern√§hrung und Landwirtschaft (Nutzpflanzenvielfalt), das bereits seit sechs Jahren verhandelt wird. Dies umfasste eine Revision der standardisierten Materialweitergabe-Vereinbarung (SMTA) mit m√∂glichen neuen Zahlungsmodalit√§ten sowie die potenzielle Ausweitung des Anwendungsbereichs auf alle Nutzpflanzen. Auch die Frage des zuk√ľnftigen Umgangs mit digitalen Sequenzinformationen √ľber genetische Ressourcen wurde diskutiert. Eine Einigung konnte jedoch weder √ľber das Ma√ünahmenpaket noch √ľber die Fortsetzung der weiteren Arbeit an diesem Thema f√ľr die n√§chsten zwei Jahre erzielt werden.

Positive Ergebnisse gab es u.a. in folgenden Bereichen:  Der Verwaltungsrat verabschiedete eine neue Finanzierungsstrategie, die durch einen programmatischen Ansatz gekennzeichnet ist und sich auf alle Mittel konzentriert, die zur Finanzierung der Umsetzung des Vertrags zur Verf√ľgung stehen. Weitere Schritte bei der Umsetzung der Rechte der Bauern, der nachhaltigen Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen und zur Entwicklung des Globalen Informationssystems des Internationalen Vertrags wurden vereinbart. Weiterhin verabschiedete der Verwaltungsrat ein neues mehrj√§hriges Arbeitsprogramm, dass eine Struktur f√ľr die Planung und den Haushalt f√ľr die k√ľnftige Arbeit des Vertrags, die zu erreichenden Aktivit√§ten und Ergebnisse, einschlie√ülich Indikatoren und Meilensteine f√ľr die √úberwachung und Bewertung, umfasst.

Internationaler Vertrag √ľber pflanzengenetische Ressourcen

Kein Land ist autonom in der Bereitstellung pflanzengenetischer Ressourcen f√ľr Ern√§hrung und Landwirtschaft (PGRFA), die der Schl√ľssel zur Ern√§hrungssicherung und Anpassung von Landwirtschaft an den Klimawandel sind. Die Weltgemeinschaft hat daher ein zentrales Instrument beschlossen, um diese Ressourcen zu erhalten, deren nachhaltige Nutzung zu f√∂rdern und sowohl den Zugang zu den Ressourcen zu sichern als auch einen gerechten Vorteilsausgleich zu gew√§hrleisten: Die Mitglieder der Weltern√§hrungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) verabschiedeten 2001 den Internationalen Vertrag √ľber pflanzengenetische Ressourcen f√ľr Ern√§hrung und Landwirtschaft.

Der Internationale Vertrag trat im Juli 2004 in Kraft und stellt f√ľr die Vertragsstaaten eine v√∂lkerrechtlich bindende Vereinbarung dar. Die Vertragsstaaten verpflichten sich, in √úbereinstimmung mit dem √úbereinkommen √ľber die Biologische Vielfalt (CBD), pflanzengenetische Ressourcen an ihrem Naturstandort (in situ) und in Genbanken (ex situ) zu erhalten, sie zu charakterisieren und zu evaluieren sowie ihre nachhaltige Nutzung sicherzustellen. Der Vertrag hebt den au√üerordentlichen Beitrag hervor, den Bauern zur Entwicklung und Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen beigetragen haben. Die Vorteile, die sich aus dieser Nutzung ergeben, sind durch den Austausch von Informationen, durch Technologietransfer und den Aufbau von Kapazit√§ten in den Entwicklungsl√§ndern gerecht zu teilen. Ein Lenkungsorgan, das sich aus Vertretern aller Vertragsstaaten zusammensetzt, begleitet und √ľberwacht die Umsetzung des Vertrages in den einzelnen Unterzeichnerstaaten. Wichtige Elemente des Vertrags sind die Farmers Rights, das multilaterale System f√ľr Zugang und Vorteilsausgleich (MLS) und das globale Informationssystem (GLIS).

Multilaterales System (MLS)

Das Kernst√ľck des Vertrages ist das multilaterale System (MLS). Es umfasst PGRFA von 35 Nahrungs- und 29 Futtermittelpflanzenarten, die ‚Äěunter der Verwaltung und Kontrolle der Vertragsparteien stehen und √∂ffentlich zug√§nglich sind‚Äú, au√üerdem die Sammlungen in den Genbanken der CGIAR Forschungszentren und anderer internationaler Institutionen, die unter Artikel 15 des Internationalen Vertrags entsprechende Vereinbarungen mit dem Lenkungsorgan geschlossen haben. Zudem steht das MLS weiteren Partnern, und auch juristischen und nat√ľrlichen Personen aus den Unterzeichnerstaaten. Die insgesamt 64 Pflanzenarten sind in Anlage 1 des Vertrages aufgelistet.

Das MLS regelt den erleichterten Zugang zu pflanzengenetischen Ressourcen und die gerechte Aufteilung der aus deren Nutzung entstehenden Vorteile aufgrund einer standardisierten Material√ľbertragungsvereinbarung (SMTA). Zugang wird nur zum Zweck der Nutzung und Erhaltung in der Forschung, Z√ľchtung und Ausbildung f√ľr Ern√§hrung und Landwirtschaft gew√§hrt. Die gerechte Aufteilung der Vorteile aus der Nutzung kann durch Informationsaustausch, Zugang zu und Weitergabe von Technologie, Kapazit√§tenausbau und Aufteilung der finanziellen und sonstigen Vorteile der Vermarktung geschehen. 

Weitere Informationen √ľber Zugang und gerechten Vorteilsausgleich hier.

Globales Informationssystem GLIS

Artikel 17 des Vertrages sieht vor, das die Vertragsparteien zusammenarbeiten, um auf Grundlage bestehender Informationssysteme ein globales Informationssystem (GLIS) zur Erleichterung des Informationsaustauschs √ľber wissenschaftliche, technische und umweltbezogene Themen in Bezug auf PGRFA zu entwickeln.

Das Lenkungsorgan des Vertrages hat 2015 seine Vision folgendermaßen formuliert und einen entsprechenden Arbeitsplan entwickelt: GLIS integriert und verstärkt existierende Informationssysteme, und schafft so einen globalen Zugangspunkt zu Informationen und Wissen, um die Kapazitäten zur Erhaltung, Management und Nutzung von PGRFA zu stärken.

Mit Unterst√ľtzung der Bundesregierung wurden die IT Infrastruktur f√ľr GLIS aufgebaut und Standards zur Identifizierung und Dokumentation von PGRFA entwickelt. ‚ÄöDigital Object Identifiers‚Äė (DOIs) sollen helfen Proben pflanzengenetischer Ressourcen eindeutig und dauerhaft zu identifizieren. Jeder Probe in GLIS ist ein DOI zugeordnet. Dies soll es Nutzern weltweit u.a. erleichtern, Forschungsergebnisse verschiedener Institutionen zu verkn√ľpfen und so weitere Erkenntnisse zu gleichem genetischen Material auszutauschen.

Ein wissenschaftlicher Beirat ber√§t das Lenkungsorgan des Vertrages in der Entwicklung von GLIS. Das Sekretariat des International Vertrages bietet einen kostenlosen Service, DOIs f√ľr PGRFA Proben zu erhalten.